Flirtcoach Mathew Lovel im Wiesbadener Kurier

Flirtcoach Mathew Lovel im Wiesbadener Kurier

Plötzlich steht er in meiner Lieblingsbar: groß, dunkelhaarig und mit lustigen Lachfältchen. Genau mein Typ. Unsere Blicke treffen sich, wir lächeln uns zu. Das Herz schlägt schneller. „Bitte sprich mich an“, versuche ich ihn per Gedankenübertragung aufzufordern. Der Traummann denkt vermutlich etwas Ähnliches. Aber: Was wenn ich es mir nur eingebildet habe, dass er zu mir schaut? Ich drehe mich weg und habe nur noch Augen für das halb leere Cocktailglas in meiner Hand zu haben. Als ich nach ein paar Minuten wieder zu dem coolen Typ schaue, ist er weg.

Da hilft nur ein Termin beim „Date Doctor“. Ein Mentor, der anderen zeigt, wie sie das prickelnde Spiel mit dem Feuer beherrschen, gibt es nicht nur im Film. Wer sich im wirklichen Leben nicht traut, den charmanten Nachbarn oder die nette junge Dame aus dem Sportstudio anzusprechen, dem hilft der Flirtcoach. Zu ihnen gehören Mathew Lovel und Elwin Ardelean. Sie geben vorwiegend Männern Hilfestellung beim Schäkern, bieten ihren Service aber auch Frauen an. Beide wollen ihren Kursteilnehmern helfen, mehr Selbstbewusstsein aufzubauen – und dadurch das Herz ihrer Traumfrau zu gewinnen oder wenigstens Mut zum Flirten machen. Der respektvolle Umgang ist den Trainern wichtig. Männer, die bei ihnen nur lernen wollen, wie sie Frauen wie sie Frauen manipulieren können, lehnen sie als Kunden ab.

Liebe, Dating und Frauen

Lovel gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Der blondeHühne erinnert ein wenig an einen australischen Surfer. Ein Kumpeltyp, zu dem die Männer, die bei ihm Rat suchen, schnell Vertrauen fassen. Der Frankfurter blickt auf eine mehr als 14-jährige Erfahrung als Flirtcoach zurück. „Man glaubt immer, dass Beziehungen und Liebe ein Zufall sind“, sagt der 35-Jährige und lächelt. Dabei könne man seinen Traumpartner gezielt suchen.

Zu seinem Job als Flirttrainer ist er gekommen, nachdem eine Beziehung unschön geendet hatte. Er stellte fest, dass er als Direktor im Finanzbereich zwar finanziell erfolgreich war, aber sein Privatleben vernachlässigt hatte – und beschloss seine Prioritäten im Leben zu ändern. „Es kann doch kein Zufall sein, dass ich an die falschen Frauen gerate“, hat er sich gesagt. „Ich war früher der Annahme, dass ich nicht besonders attraktiv war. Natürlich hatte ich Mädels, aber trotzdem habe ich nicht geglaubt, dass ich ein liebenswerter Typ bin.“

Um in Zukunft für die richtigen Damen interessant zu sein, beschäftigt er sich mit Liebe, Dating und Frauen. Er liest Bücher über Psychologie, stellt schnell fest, dass er sich seinen Ängsten stellen muss und arbeitet an seiner Persönlichkeit. „Wenn man seine Hemmungen loswird, seinen Komfortbereich verlässt, ist das ein unbeschwertes Gefühl“, beschreibt er und fügt lachend hinzu: „Es ist spannender als eine Million zu verdienen.“ Jahrelang kommuniziert er mit anderen auf Internetcommunitys, wo sich Männer über Frauen, Flirten und Sex austauschen.

Missverständnisse erschweren das Flirten

Inzwischen gibt Lovel Flirtkurse und Einzeltermine. Dabei steht vor allem die Praxis im Vordergrund. Die Teilnehmer sprechen als Übung Frauen an und lernen dabei, welche Fehler sie bisher gemacht haben. Bei seinen Kursen räumt er auch Vorurteile aus. „Viele Männer und Frauen glauben, dass du es leichter hast beim anderen Geschlecht, wenn du gut aussiehst.“ Dabei sei das Unsinn. „Manche Typen, die bei Frauen wenig erfolgreich sind, haben auch ein extrem schlechtes Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein.“

Sie mögen sich nicht, finden sich daher nicht attraktiv und gehen davon aus, dass sie bei Frauen keinen Erfolg haben. Die Schlüssel zu einem guten Flirt seien aber nicht Schönheit, sondern vor allem Selbstbewusstsein, Authentizität, Charisma und Ausstrahlung. Charisma etwa liege nicht in den Genen, sondern sei etwas, das man sich aneignen kann.

Auch Missverständnisse können das Flirten erschweren. „Mädels denken, er ruft mich nicht an, weil er mich nicht mag“, sagt Lovel. „Sie denken nicht daran, dass er sich vielleicht nicht traut.“ Frauen schätzen eine starke Persönlichkeit, aber auch, wenn der Mann auf sie eingeht und aufmerksam ist. Wenn er zu selbstbewusst und dominant wirkt, stört das die Frau.

Pick-up-Szene

Authentizität findet auch Elwin Ardelean sehr wichtig. „Sag was du denkst. Wenn du genau das sagst, was in deinem Kopf ist, kannst du nichts falsch machen.“ Der Heidelberger hat sich erst vor Kurzem als Flirtcoach neben seinem Beruf als freischaffender Grafikdesigner selbstständig gemacht. Wie Lovel, kam er durch seine eigene Unzufriedenheit dazu.

Vor sieben Jahren hatte er es satt, dass die Frauen sich immer ihn aussuchen. „Ich wollte aus der passiven Rolle raus.“ Er beschäftigte sich intensiv damit, was Frauen an Männern attraktiv finden und lernt von seinen Gesprächspartnerinnen viel über das andere Geschlecht. „Empathie ist unheimlich wichtig.“ Außerdem macht er sich Gedanken über Mode, ändert seinen Look, rasiert sich den Kopf und fühlt sich wieder wohl in seiner Haut.

Ardelean lernt Leute aus der Pick-up-Szene kennen („Pick-up-Artists“ nennen sich Männer, die mittels Manipulation versuchen, so vielen Frauen wie möglich „aufzureißen“, um mit ihnen Sex zu haben.) Ardelean distanziert sich aber davon. „Das ist nicht authentisch“, sagt er. Statt eine Rolle zu mimen, will er lieber mit offenen Karten spielen und sich so geben, wie er ist. Frauen erobert er inzwischen mit seiner Persönlichkeit und Charme. Wichtig sei beim Flirten, dem anderen ein gutes Gefühl zu geben und Komplimente zu machen. Viele Männer seien unsicher, wenn es darum geht, Frauen anzusprechen, sagt der Flirtexperte. Nach dem theoretischen Teil seines Einzelcoachings geht es daher auf die Straße. Eine Übung ist etwa Passanten nach der Zeit zu fragen.

Keine Angst vor Körben

Was gehört noch zu einem erfolgreichen Flirt? Intensiven Augenkontakt halten und Interesse an seinem Gegenüber zeigen, empfiehlt Ardelean. Männer und Frauen sollten mehr auf ihr Bauchgefühl hören, betont Lovel. Auch sanfte Berührungen, wie ihre Hand zu halten, finden Frauen gut. Beim Kennenlernen nur über seinen Job oder gar den Ex zu sprechen oder die Frau absichtlich schlecht behandeln, ist dagegen keine gute Idee. Unattraktiv sei es auch, dem anderen nach dem Mund zu reden.

Wer andere anspricht, wird über kurz oder lang Zurückweisung erfahren. Vor Körben sollte man jedoch keine Angst haben, sondern sie als Feedback nehmen, rät Ardelean. Man sollte nicht denken: „Ich habe ihre Nummer nicht gekriegt, sondern, „Ich war mutig und habe sie angesprochen.“ Lovel fügt hinzu. „Wer seine Traumfrau erobern will, muss einmal durch die Hölle gehen.“ Jede Zurückweisung sei eine Chance, über sich selbst hinauszuwachsen.

Jetzt müsste ich also nur noch die Zeit zurückdrehen können. Ich würde das freundliche Lächeln des Typen in meiner Lieblingsbar dieses Mal als Aufforderung sehen, „Hallo“ zu sagen. Zumindest beim nächsten intensiven Blickkontakt nehme ich mir vor, ein wenig mutiger zu sein. Denn was habe ich schon zu verlieren? Im schlimmsten Fall bin ich über meinen Schatten gesprungen. Im besten Fall ist es der Beginn eines aufregenden Flirts.

Wiesbadener KurierDate Doktor im Wiesbadener Kurier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Wiesbadener Kurier

Hier geht es zum Online-Artikel:

http://www.wiesbadener-kurier.de/vermischtes/journal/expertentipps-vom-flirtcoach_16164374.htm

 

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