Narzisstin erkennen: Was ein gemeinsamer Urlaub wirklich zeigt

Es gibt Momente in einer Beziehung, in denen du die Person neben dir plötzlich nicht mehr erkennst. Eine Narzisstin im Urlaub zu erkennen ist oft genau das: ein Moment, in dem die Maske fällt – und du siehst, mit wem du wirklich zusammen bist.
Du hast alles geplant. Flüge, Hotel, Aktivitäten. Du hast dich auf diese Zeit gefreut – auf echte Erholung, auf Abstand vom Alltag, auf Zeit zu zweit. Und dann fängt es an. Das Zimmer ist nicht gut genug. Das Restaurant war deine Idee und entsprechend ist die schlechte Stimmung deine Schuld. Jede Kleinigkeit wird zum Problem. Und am Ende fragst du dich: Wer ist diese Person eigentlich?
Gute Frage. Und der Urlaub hat dir gerade dabei geholfen, sie zu beantworten.
Denn Reisen sind eines der präzisesten Diagnosewerkzeuge, die es gibt. Sie ziehen die Maske runter. Was du im Alltag noch als schlechte Laune oder Stress erklärst, wird auf einer Reise unübersehbar. Was genau hinter weiblichem Narzissmus steckt und wie er sich grundsätzlich zeigt, habe ich hier ausführlich beschrieben – in diesem Artikel geht es um das, was ein gemeinsamer Urlaub konkret sichtbar macht.
Dieser Artikel richtet sich in erster Linie an Männer – aber das Muster gilt genauso andersherum. Wenn du als Frau diesen Text liest und dich wiedererkennst, ist er genauso für dich.
Warum ein gemeinsamer Urlaub die Maske abnimmt
Im Alltag hat ein narzisstischer Mensch Struktur. Er weiß, wie er sich verhalten muss. Er hat seine sozialen Reaktionen trainiert. Er kann Empathie simulieren, Rücksicht signalisieren, Interesse zeigen – solange die Umgebung kontrollierbar ist.
Reisen sind nicht kontrollierbar.
Flüge haben Verspätung. Hotels sehen anders aus als auf den Fotos. Das Wetter spielt nicht mit. Man wartet. Man passt sich an. Man muss flexibel sein.
Und genau hier liegt das Problem für narzisstische Menschen: Flexibilität ist keine Stärke von ihnen. Sie besitzen kognitive Empathie – sie können in vertrauten Situationen intellektuell nachvollziehen, was andere brauchen, weil sie es auswendig gelernt haben. Aber affektive Empathie – das spontane, situative Mitfühlen in unbekannten Momenten – das ist ihnen nicht zugänglich.
Was bedeutet das konkret? In einer entspannten, kontrollierten Situation kann eine Narzisstin sich auf dich einstellen. Sie weiß, was sie sagen muss. Sie hat die Reaktionen gelernt. Aber sobald Stress entsteht und Flexibilität gefragt ist – und beides passiert auf einer Reise ständig – gibt es keine fertige Antwort mehr. Die soziale Fassade bricht weg. Und was dann zum Vorschein kommt, ist das, was darunter liegt.
Das ist die Person, mit der du wirklich zusammen bist.
Red Flag 1: Extreme Erwartung an Sonderbehandlung
Schon beim Check-in merkst du es. Das Zimmer entspricht nicht dem, was sie sich vorgestellt hat. Die Atmosphäre stimmt nicht. Der Tisch ist nicht gut genug. Der Service zu langsam. Die Erwartung ist, dass die Dinge sich nach ihr richten – nicht nach der Realität.
Das ist kein hoher Anspruch. Das ist die tiefe Überzeugung, dass ihr Anspruch über den normalen Regeln steht.
Narzisstische Menschen sind besonders kränkbar, wenn die Realität nicht dem entspricht, was sie sich ausgemalt haben. Das perfekte Zimmer. Die perfekte Aussicht. Die perfekte Stimmung. Wenn das nicht eintritt, entsteht keine normale Enttäuschung – es entsteht Kränkung. Und Kränkung bei einer Narzisstin ist selten still.
Achte darauf, wie sie mit Servicepersonal umgeht, wenn etwas nicht funktioniert. Freundliche Bestimmtheit ist normal. Verachtung, Herablassung oder das Gefühl, dass die andere Person ihr etwas schuldet – das ist ein Signal.
Red Flag 2: Geringe Frustrationstoleranz bei Kleinigkeiten
Verspätungen, Warteschlangen, ein volles Restaurant, ein Taxi das fünf Minuten zu spät kommt, ein Koffer der länger braucht am Band.
Für dich: okay, ärgerlich, weiter.
Für sie: Zündstoff.
Die Reaktion steht in keinem Verhältnis zur Situation. Und das ist genau der Punkt. Denn ein narzisstischer Mensch erlebt diese Kleinigkeiten nicht als banale Unannehmlichkeiten – er erlebt sie als Angriff auf sein Selbstbild. Das Hotel hat mich enttäuscht. Das Taxi hat mich warten lassen. Die Situation hat nicht so funktioniert, wie ich es verdient hätte.
Die Frustration ist real. Aber die Ursache, die sie dafür annimmt, hat nichts mit der Realität zu tun.
Besonders deutlich wird das bei körperlichen Faktoren: Schlafmangel, Jetlag, Hunger. Was für andere ein normaler Reisezustand ist, wird für eine Narzisstin zum Brandbeschleuniger. Die emotionalen Reaktionen werden intensiver, nicht schwächer. Und das Ventil bist meistens du.
Red Flag 3: Du bist schuld, wenn die Realität nicht stimmt
Das ist eine der deutlichsten Red Flags bei Frauen überhaupt – und gleichzeitig die, die am längsten unsichtbar bleibt.
Wenn etwas schiefläuft – und auf einer Reise läuft immer mal etwas schief – fragst du dich: Wie geht sie damit um? Sucht sie gemeinsam eine Lösung? Oder landet die Schuld systematisch bei dir?
Du hast das falsche Hotel gebucht. Du hättest früher reservieren sollen. Du hättest wissen müssen, dass es dort zu voll ist. Du bist an allem schuld, was nicht läuft.
Das Muster ist: Alles, was nicht ihrem Bild entspricht, ist dein Versagen. Und das Entscheidende dabei – sie glaubt das wirklich. Das ist kein kalkulierter Angriff. Das ist der Schutzmechanismus eines Selbstbildes, das keine eigene Verantwortung aushalten kann.
Und dann kommt der Satz, den viele kennen: „Das habe ich noch nie so erlebt. Nur mit dir ist das so.“
Das ist kein Zufall. Das ist Methode. Der Satz dreht den Spieß um. Plötzlich bist nicht sie das Problem – sondern du. Plötzlich fragst du dich, ob du tatsächlich irgendetwas falsch machst. Ob du zu empfindlich bist. Ob du übertreibst.
Du machst nichts falsch. Du siehst das Muster.
Red Flag 4: Der Urlaub gehört ihr – nicht euch beiden
Hier ist eine Frage, die du dir stellen kannst: Wessen Urlaub ist das eigentlich?
Narzisstische Menschen nutzen Orte zur Selbstvergrößerung. Die Reise dient nicht der gemeinsamen Erholung. Sie dient der narzisstischen Versorgung – als Bühne. Das richtige Hotel, das richtige Restaurant, die richtigen Fotos. Der Urlaub soll ein Bild produzieren: das Bild einer Person mit Geschmack, Klasse, Stil.
Dabei geht es ihr nicht nur darum, wie sie nach außen wirkt. Es geht ihr auch darum, ihre eigene Fähigkeit in den Vordergrund zu spielen – den richtigen Ort ausgesucht, den Urlaub gestaltet, alles im Griff zu haben. Das ist ihr Selbstbild. Und du sollst es bestätigen.
Du bist nicht ihr Partner in diesem Urlaub. Du bist ihr Publikum.
Du sollst bestätigen, dass sie recht hatte mit der Wahl. Dass es wunderschön ist. Dass sie einen guten Geschmack hat. Deine eigenen Bedürfnisse – was du sehen willst, wie du dich erholen willst, was dir gut tut – sind in dieser Gleichung nicht vorgesehen.
Das ist kein Kompromiss-Problem. Das ist Struktur.
Red Flag 5: Ärger, passive Aggressionen, sozialer Rückzug
Wenn die Kontrolle weg ist und die Realität nicht stimmt, entlädt sich das irgendwo. Und der Weg, wie sich das entlädt, ist charakteristisch.
Ärger. Gereiztheit. Passive Aggressionen – eisiges Schweigen, einsilbige Antworten, demonstratives Desinteresse. Gelegentlich aktive Aggressionen, die dann als gerechtfertigte Reaktion auf dein Versagen gerahmt werden. Und sozialer Rückzug – sie zieht sich zurück, macht dich damit für die Atmosphäre verantwortlich, und du läufst hinter ihr her und versuchst die Stimmung zu reparieren.
Das ist das Muster. Und es eskaliert im Urlaub schneller als im Alltag, weil alle Faktoren gleichzeitig zusammenkommen: Schlafmangel, unbekannte Umgebung, Kontrollverlust, erhöhte Nähe.
Du bist das nächste verfügbare Ventil. Und sowieso ist alles Stress – aber natürlich nur, wenn du dabei bist.
Red Flag 6: Sie wirkt plötzlich wie ein anderer Mensch
Das klingt ungewöhnlich, aber es ist entwicklungspsychologisch präzise beschrieben: Wenn narzisstische Menschen unter Stress geraten, findet eine Regression statt. Sie fallen zurück auf ein emotionales Entwicklungsniveau zwischen null und drei Jahren.
Was das auf einer Reise konkret bedeutet: wenig Rücksicht auf andere, kaum Anpassungsfähigkeit, emotionale Ausbrüche bei Müdigkeit oder Hunger die völlig unverhältnismäßig sind, und eine Unfähigkeit, sich auf veränderte Umstände einzustellen.
Ein dreijähriges Kind tut das, weil es noch keine anderen Strategien entwickelt hat. Ein erwachsener Mensch mit narzisstischen Zügen tut es, weil seine Strategien nur in kontrollierten Situationen funktionieren. Sobald diese Kontrolle weg ist – und Reisen nehmen sie regelmäßig weg – bleibt dieses Verhalten übrig.
Falls du dachtest: „Sie war wie ausgewechselt“ – das war sie nicht. Das war sie.
Das Muster, das sich aufbaut
Einzeln betrachtet könnte man jeden dieser Punkte noch erklären. Stress. Schlechter Tag. Müdigkeit. Reise-Erschöpfung.
Aber auf einer Reise kommen sie alle zusammen. Und dann sieht man das Muster.
Kritik nimmt zu. Spott. Schuldzuweisungen. Was im Alltag noch wie gelegentliche Gereiztheit wirkte, wird zur Dauerdynamik. Die Idealisierung, die du vielleicht aus den Anfängen der Beziehung kennst, kippt in Abwertung. Du wirst noch stärker funktional benutzt – als Regulationsobjekt, als Publikum, als Sündenbock.
Der Grund dafür ist einfach: Die erhöhte Nähe im Urlaub und die längere Dauer des ununterbrochenen Zusammenseins verstärken die Muster, die im Alltag durch Distanz abgepuffert werden. Arbeit, Freunde, eigene Räume – das alles fehlt. Die Puffer sind weg. Was übrig bleibt, ist die Dynamik in Reinform.
Was du im gemeinsamen Urlaub siehst, ist kein Sonderfall. Es ist das Muster unter Verstärkung.
Warum sie sich selbst nicht erholen kann
Das ist der Teil, der viele überrascht: Narzisstische Menschen können sich im Urlaub nicht erholen.
Nicht weil der Urlaub schlecht war. Sondern strukturell.
Erholung bedeutet Loslassen. Kontrollverlust aushalten. Im Moment sein, ohne ihn zu optimieren. Das ist für einen narzisstischen Menschen nicht möglich. Selbst die Freizeit steht unter permanentem innerem Druck und einem ständigen inneren Vergleichsniveau: Ist das gut genug? Stimmt das Bild? Werde ich hier so gesehen, wie ich gesehen werden will? Ist dieser Urlaub besser oder schlechter als der letzte?
Dazu kommt: Echte emotionale Nähe – das echte Ankommen zu zweit, das du dir von einem Urlaub erhoffst – ist für sie kognitiv anstrengend. Sie müssen sich die ganze Zeit regulatorisch auf dich einstellen, ohne dafür affektive Ressourcen zu haben. Du bist nicht ihr Partner in der Erholung. Du bist ein weiterer Faktor, den sie managen müssen.
Das Ergebnis: Sie kommen erschöpfter zurück als sie gefahren sind. Und du auch – aber aus einem anderen Grund.
Reisen verstärken narzisstische Züge, weil sie Kontrolle, emotionale Regulation und Bewunderung gleichzeitig herausfordern. Das sind die drei Säulen, auf denen das narzisstische Selbstbild steht. Wenn alle drei gleichzeitig wackeln – und das tun sie auf jeder Reise – zeigt sich das, was darunter liegt.
Was das für dich bedeutet
Wenn du diesen Artikel liest und denkst: Das klingt nach unserem letzten Urlaub – dann ist das kein Zufall.
Du hast keinen schlechten Urlaub gehabt, weil ihr nicht kompatibel reist. Du hast keinen schlechten Urlaub gehabt, weil du irgendetwas falsch geplant hast. Du hast gesehen, mit wem du wirklich zusammen bist.
Der Urlaub hat die Kontrolle weggenommen, die dieses Bild im Alltag aufrechterhalten hat. Und ohne diese Kontrolle ist das Muster sichtbar geworden.
Das ist keine angenehme Erkenntnis. Aber sie ist eine der wertvollsten, die du aus einer Beziehung mitnehmen kannst.
Fazit: Ein gemeinsamer Urlaub lügt nicht
Wenn dein letzter gemeinsamer Urlaub sich angefühlt hat wie eine Prüfung, die du nicht bestehen konntest – dann hast du gerade etwas Wichtiges gesehen.
Nicht einen schlechten Urlaub. Ein Muster.
Reisen nehmen die Kontrolle weg, die narzisstische Menschen brauchen. Sie fordern Kontrolle, emotionale Regulation und Bewunderung gleichzeitig heraus. Und wenn das alles wegfällt, siehst du, wer wirklich neben dir steht.
Das ist unbequem. Aber es ist eine der klarsten Informationen, die dir eine Beziehung geben kann.
Die Frage ist, was du damit machst.
Du fragst dich, was das Muster in deiner Beziehung bedeutet?
Viele, die ich im Coaching begleite, kommen mit genau diesem Gefühl: Irgendwas stimmt nicht – aber ich kann es nicht greifen.
Und wenn wir tiefer schauen, zeigt sich oft dasselbe: Der eigentliche Grund, warum sie in dieser Beziehung geblieben sind, war nicht Liebe. Es war Alternativlosigkeit.
Männer, die keinen echten Zugang zum weiblichen Geschlecht haben, die sich unsicher fühlen, die nicht wissen wie sie Frauen kennenlernen – diese Männer landen nicht zufällig bei narzisstischen Frauen. Sie landen dort, weil sie keine Wahl zu haben glauben. Weil diese eine Frau das einzige zu sein scheint, was funktioniert. Und genau das macht sie angreifbar.
Ein niedriger Selbstwert und fehlende Auswahlfähigkeit sind der Nährboden, auf dem solche Dynamiken wachsen.
Der Ausweg ist nicht, die narzisstische Frau zu verstehen oder zu verändern. Der Ausweg ist, an dir zu arbeiten – an deiner Autonomie, deinem Selbstbild und deiner Fähigkeit, Frauen kennenzulernen, die dir wirklich gut tun. Wenn du echte Auswahl hast, verändert sich alles. Du bleibst nicht mehr, weil du bleiben musst. Du entscheidest, weil du entscheiden kannst.
Wenn du verstehen willst, wo du gerade stehst und was der nächste Schritt für dich ist – dann lass uns darüber sprechen. Das Erstgespräch mit mir ist kostenlos und unverbindlich.
Dein loyaler Dating-Coach
-Mathew
Weiterführende Artikel zum Thema:
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst – hier findest du weitere Artikel die dir helfen, das Muster besser zu verstehen:
- Narzisstische Frau erkennen – die grundlegenden Merkmale und wie du sie im Alltag erkennst
- Narzisstische Frau: Verhalten und Muster – was hinter dem Verhalten steckt und warum es sich wiederholt
- Können Narzissten lieben? – die Frage, die viele stellen wenn sie das Muster erkennen
- Green Flags bei einer Frau – woran du erkennst, dass du es mit der richtigen Frau zu tun hast.:)
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FAQs – Narzisstin im Urlaub erkennen
Ja – und Reisen gehören zu den zuverlässigsten Situationen überhaupt, um narzisstische Züge zu erkennen. Im Alltag hat eine narzisstische Frau Struktur und Kontrolle. Sie weiß, wie sie sich verhalten muss, welche Reaktionen sie zeigen soll, wie sie Empathie simuliert. Diese Fassade funktioniert, solange die Umgebung vorhersehbar ist. Reisen nehmen diese Kontrolle weg. Verspätungen, unbekannte Orte, spontane Anpassungen – das alles fordert genau die Eigenschaften heraus, die narzisstische Menschen nicht haben: Flexibilität, affektive Empathie und echte Frustrationstoleranz. Was dann sichtbar wird, ist kein Sonderfall. Es ist das Muster unter Realbedingungen.
Die häufigsten Anzeichen sind: extreme Erwartung an Sonderbehandlung durch Hotel, Restaurant oder Service, Kränkung wenn die Realität nicht dem inneren Bild entspricht, geringe Frustrationstoleranz bei Warteschlangen oder Verzögerungen, systematische Schuldzuweisungen an den Partner wenn etwas nicht läuft, passive Aggressionen oder sozialer Rückzug als Reaktion auf Kontrollverlust, und das Inszenieren des Urlaubs nach außen statt gemeinsamer Erholung. Einzeln betrachtet könnte man vieles davon noch als Reisestress abtun. In Kombination und als Dauermuster ist es ein klares Signal.
Weil sie im Urlaub nicht wirklich eine andere Person wird – sondern weil die Person, die du im Alltag kennst, teilweise eine gelernte soziale Fassade ist. Narzisstische Menschen besitzen kognitive Empathie: Sie können in vertrauten Situationen nachvollziehen, was andere brauchen, weil sie es gelernt haben. Aber affektive Empathie – das spontane Mitfühlen in unbekannten oder stressigen Momenten – ist ihnen nicht zugänglich. Sobald Reisestress entsteht, gibt es keine vorbereitete Antwort mehr. Die Fassade bricht weg. Was du dann siehst, ist nicht die Ausnahme. Das ist die Basis.
Weil narzisstische Menschen eigene Verantwortung nicht aushalten können, ohne ihr Selbstbild zu gefährden. Das Selbstbild einer Narzisstin ist auf Überlegenheit aufgebaut – auf das Bild, fehlerfrei zu sein, die richtige Entscheidung zu treffen, alles im Griff zu haben. Wenn die Realität diesem Bild widerspricht, muss die Ursache externalisiert werden. An dich. An Umstände. An alles außer ihr. Das ist kein bewusster Angriff – es ist ein tief verwurzelter Mechanismus. Und je mehr du versuchst, es richtig zu machen, desto stabiler wird das Muster. Denn deine Bemühungen bestätigen ihr, dass du tatsächlich der Verantwortliche bist.
Das ist einer der wirkungsvollsten Umkehrmechanismen im narzisstischen Muster. Der Satz dreht die Situation um: Plötzlich bist nicht das Muster das Problem – sondern du. Er erzeugt Zweifel, hält dich in der Defensive und schützt ihr Selbstbild gleichzeitig. Was der Satz impliziert: Du bist das Einzige, das nicht funktioniert. Alle anderen konnten mit ihr reisen. Alle anderen hatten kein Problem. Nur du. Das ist selten wahr – und wenn du es glaubst, bist du genau dort, wo das narzisstische Muster dich haben will: selbst verantwortlich für etwas, das nichts mit dir zu tun hat.
Weil körperliche Zustände wie Müdigkeit oder Hunger die emotionale Regulation weiter destabilisieren – und narzisstische Menschen bereits unter normalen Bedingungen eine geringe Frustrationstoleranz haben. Was bei anderen zu kurzfristiger Gereiztheit führt, wird bei narzisstischen Menschen zum Brandbeschleuniger. Die ohnehin instabile emotionale Steuerung bricht unter körperlichem Stress schneller zusammen. Das Ergebnis sind Reaktionen, die in keinem Verhältnis zur Situation stehen. Und das nächste verfügbare Ventil bist in der Regel du.
Narzisstische Versorgung bezeichnet das, was eine narzisstische Person braucht, um ihr Selbstbild aufrechtzuerhalten: Bewunderung, Bestätigung, Kontrolle, Überlegenheit. Im Urlaub wird das besonders sichtbar, weil der Urlaub zur Bühne wird. Das richtige Hotel, das richtige Restaurant, die richtigen Fotos – das alles dient nicht der gemeinsamen Erholung, sondern der Selbstinszenierung. Du bist Teil dieser Inszenierung: Du sollst bestätigen, dass sie die richtige Wahl getroffen hat, dass sie Geschmack hat, dass alles wunderbar ist. Wenn die Realität das nicht liefert – oder du es nicht bestätigst – bricht die narzisstische Versorgung ein. Und dann beginnt der Druck.
Kognitive Empathie bedeutet: Man kann intellektuell verstehen, was ein anderer Mensch fühlt oder braucht. Narzisstische Menschen haben das gelernt – sie können es in bekannten Situationen abrufen und sozial einsetzen. Affektive Empathie ist anders: Das ist das spontane, emotionale Mitfühlen in unbekannten oder stressigen Momenten – ohne Vorbereitung, ohne auswendig gelerntes Verhalten. Genau diese affektive Empathie fehlt narzisstischen Menschen. Im Alltag fällt das oft nicht auf. Im Urlaub, wo laufend unbekannte Situationen entstehen, ist die Lücke unübersehbar: Die soziale Fassade hat keine Antwort auf diese neue Situation. Was dann übrig bleibt, ist das Verhalten ohne Maske.
Weil Kontrollverlust für narzisstische Menschen ein innerer Ausnahmezustand ist – und der Umgang damit läuft über Regulation nach außen. Passive Aggressionen wie eisiges Schweigen, einsilbige Antworten oder demonstratives Desinteresse sind ein Werkzeug: Sie erzeugen Druck, ohne direkte Konfrontation. Der soziale Rückzug hat denselben Mechanismus – sie zieht sich zurück, du läufst hinter ihr her, du versuchst die Situation zu reparieren. Damit übernimmst du automatisch die Verantwortung für eine Stimmung, die nichts mit dir zu tun hat. Das Muster funktioniert, weil es funktioniert – und solange du reagierst, wird es wiederholt.
Kurzfristig ja – wenn die Bedingungen stimmen: Sie hat ausreichend Kontrolle über Planung und Ablauf, die narzisstische Versorgung funktioniert, die Außenwirkung stimmt. Dann kann ein Urlaub oberflächlich gut laufen. Aber strukturell ist ein echter gemeinsamer Urlaub – im Sinne von gegenseitiger Erholung, echtem Ankommen, Nähe ohne Druck – nicht möglich. Denn eine narzisstische Frau kann nicht loslassen. Selbst ihre Freizeit steht unter permanentem innerem Druck. Sie erholt sich nicht. Und du auch nicht – weil du die ganze Zeit damit beschäftigt bist, ihr Bild zu stützen oder ihren Erwartungen zu entsprechen.
Weil Alternativlosigkeit der stärkste Bindungsmechanismus ist, den es gibt – stärker als Liebe. Ein Mann, der keinen echten Zugang zum weiblichen Geschlecht hat, der sich unsicher fühlt, der nicht weiß wie er Frauen kennenlernt, glaubt oft unbewusst: Diese Frau ist das Einzige, was ich bekommen kann. Diese Überzeugung macht ihn angreifbar. Narzisstische Frauen spüren das – nicht bewusst, aber intuitiv. Die Dynamik entsteht nicht durch Zufall: Ein niedriger Selbstwert und fehlende Auswahlfähigkeit sind der Nährboden, auf dem solche Beziehungen wachsen. Der Ausweg ist nicht, die narzisstische Frau zu verstehen. Der Ausweg ist, an der eigenen Autonomie zu arbeiten – bis echte Auswahl entsteht.
Ja. Das beschriebene Muster ist nicht geschlechtsspezifisch. Narzisstische Züge und die Dynamik, die sie in Beziehungen erzeugen, zeigen sich unabhängig vom Geschlecht. Dieser Artikel ist primär aus der Perspektive eines Mannes geschrieben, weil das meine Hauptzielgruppe im Coaching ist. Aber die Mechanismen – Regression unter Stress, fehlende affektive Empathie, Schuldzuweisungen, narzisstische Versorgung – sind bei narzisstischen Männern genauso aktiv. Das Muster ist dasselbe. Nur die Inszenierung kann sich unterscheiden.


